Maserati 3500GTI Sebring Coupe

Maserati 3500 GTI Sebring Coupé – der elegante Italiener für die große Reise

Maserati 3500 GTI Sebring: Rennsporttechnik im maßgeschneiderten Anzug

Es gibt klassische Sportwagen, bei denen schon der Name genügt: Jaguar E-Type, Aston Martin DB5, Ferrari 250 GT. Der Maserati 3500 GTI Sebring gehört nicht ganz selbstverständlich in diese Aufzählung.

Und genau das macht ihn heute so interessant.

Der Sebring ist kein Auto für jemanden, der an jeder Tankstelle erkannt werden möchte. Er ist der Gran Turismo für Menschen, die wissen, was sie vor sich haben: ein von Giovanni Michelotti gezeichnetes und bei Vignale gebautes italienisches Coupé, darunter Technik, deren Ursprünge direkt im Maserati-Rennsport liegen.

Vom Rennwagen zum Gran Turismo

Um den Sebring zu verstehen, muss man einige Jahre zurückgehen.

Maserati war in den 1950er-Jahren vor allem eines: Rennwagenhersteller.

Nach dem Rückzug aus dem offiziellen Motorsport Ende 1957 musste daraus ein wirtschaftlich tragfähiger Hersteller exklusiver Straßenautos werden. Der entscheidende Wagen dafür war der 3500 GT.

Sein 3,5-Liter-Reihensechszylinder war aus dem Rennmotor des Maserati 350 S von 1956 abgeleitet. Der 3500 GT wurde zum ersten Maserati, der in nennenswerten Stückzahlen produziert wurde und etablierte die Marke endgültig als Hersteller luxuriöser Hochleistungs-Gran-Turismo.

Damit war die Grundlage geschaffen.

Doch Anfang der 1960er-Jahre brauchte Maserati etwas Sportlicheres und Moderneres.

Die Konkurrenz schlief schließlich nicht. Aston Martin hatte den DB4, Jaguar präsentierte den E-Type und Ferrari war Ferrari, was damals bereits als ziemlich brauchbares Geschäftsmodell funktionierte.

Maseratis Antwort war der 3500 GTI S.

Das S stand für Sebring.

Maserati 3500GTI Sebring Coupe
Maserati 3500GTI Sebring Coupe

Warum heißt ein italienischer Maserati ausgerechnet Sebring?

Der Name führt nach Florida.

Beim berühmten 12-Stunden-Rennen von Sebring 1957 feierte Maserati einen großen Erfolg. Juan Manuel Fangio und Jean Behra gewannen im Maserati 450 S; Harry Schell und Stirling Moss folgten im Maserati 300 S.

An diesen Triumph sollte das neue Coupé erinnern.

Damit steckt hinter „Sebring“ mehr als eine hübsch klingende Modellbezeichnung. Der Name stellte bewusst die Verbindung zwischen dem neuen luxuriösen Straßenwagen und Maseratis Rennsportgeschichte her.

Premiere 1962

Maserati präsentierte den neuen Wagen auf dem Genfer Automobilsalon 1962.

Technisch basierte er auf dem 3500 GTI, bekam allerdings den kürzeren Radstand des 3500 GT Spyder. Statt der Touring-Karosserie des normalen 3500 erhielt er eine völlig neue 2+2-sitzige Karosserie von Vignale.

Der Entwurf stammte von Giovanni Michelotti.

Und Michelotti verzichtete auf übertriebene Dramatik.

Der Sebring ist flach, elegant und ungewöhnlich ausgewogen proportioniert. Vier Rundscheinwerfer, eine lange Motorhaube, filigrane Säulen und das kompakte Heck verleihen ihm einen vollkommen anderen Charakter als dem weicheren 3500 GT.

Er sieht teuer aus.

Aber nicht protzig.

Der Motor: Hier steckt Maseratis Rennsportgeschichte

Unter der langen Motorhaube arbeitet das eigentliche Schmuckstück.

Ein 3.485 cm³ großer Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen.

Und dieser Motor war kein gewöhnliches Großserienaggregat.

Seine Konstruktion geht auf den Rennmotor des Maserati 350 S zurück.

Im 3500 GT arbeitete er zunächst mit drei Weber-Doppelvergasern. Ab 1961 führte Maserati eine mechanische Lucas-Benzineinspritzung ein.

Dadurch stieg die Leistung auf 235 PS.

Aus GT wurde GTI.

Das „I“ steht hier tatsächlich für Iniezione, also Einspritzung. Jahrzehnte bevor drei Buchstaben auf einem Kofferraumdeckel zuverlässig dazu führten, dass Menschen an Ampeln unnötig viel Gas gaben.

Doppelzündung wie im Rennwagen

Technisch besonders interessant ist die Doppelzündung.

Der Reihensechszylinder besitzt zwei Zündkerzen pro Zylinder, also insgesamt zwölf Zündkerzen. Diese Konstruktion stammt ebenfalls aus Maseratis Rennsportdenken.

Zusammen mit den zwei obenliegenden Nockenwellen und der mechanischen Einspritzung war das Anfang der 1960er-Jahre ausgesprochen anspruchsvolle Technik.

Das erklärt allerdings auch einen wichtigen Punkt für heutige Besitzer:

Ein Sebring braucht jemanden, der diese Technik versteht.

Eine schlecht eingestellte Lucas-Einspritzung kann aus italienischer Grandezza ziemlich schnell italienisches Temperament machen, allerdings nicht in der romantischen Variante.

Maserati 3500GTI Sebring Coupe
Maserati 3500GTI Sebring Coupe

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235 PS waren 1962 eine Ansage

Die erste Serie des Sebring leistete aus 3,5 Litern 235 PS.

Maserati gibt für den Sebring 3.5 eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h an.

Man sollte diese Zahl in ihre Zeit einordnen.

1962 fuhr ein Volkswagen Käfer je nach Ausführung ungefähr halb so schnell.

Der Sebring war also kein elegantes Coupé, das zufällig ein bisschen sportlich aussah.

Er war ein echter Hochleistungs-Gran-Turismo.

Das ZF-Fünfganggetriebe

Zur Charakteristik passt das ZF-Fünfgang-Schaltgetriebe.

Bereits beim 3500 GT hatte Maserati ab 1960 ein Fünfganggetriebe von ZF angeboten beziehungsweise eingesetzt.

Für einen frühen 1960er-Jahre-GT war ein Fünfganggetriebe keineswegs selbstverständlich.

Optional konnte der Sebring sogar mit einer Dreigang-Automatik bestellt werden. Maserati nennt außerdem Klimaanlage und Borrani-Speichenräder als Sonderausstattungen.

Das zeigt sehr schön, was dieser Wagen sein sollte:

kein kompromissloser Rennwagen für die Straße, sondern ein extrem schneller und luxuriöser Reisewagen.

Ein echter 2+2 Gran Turismo

Der Sebring ist ein 2+2-Sitzer.

Vorne reisen zwei Erwachsene ausgesprochen stilvoll. Hinten gibt es zusätzliche Sitzplätze, die eher für Kinder oder kürzere Strecken gedacht sind.

Genau darin liegt aber der Unterschied zu vielen kompromissloseren italienischen Sportwagen jener Zeit.

Mit Gepäck, zwei Personen und einer freien Autobahn konnte man im Sebring tatsächlich große Distanzen zurücklegen.

Gran Turismo war damals schließlich noch eine Fahrzeugidee und nicht bloß ein Schriftzug, den Marketingabteilungen auf nahezu alles kleben konnten.

Michelotti und Vignale – eine ziemlich gute Kombination

Der Name Giovanni Michelotti taucht in der Geschichte des europäischen Automobildesigns erstaunlich häufig auf. Für den Sebring arbeitete Michelotti bei beziehungsweise für Carrozzeria Vignale. Maserati bestätigt Michelotti offiziell als Designer und Vignale als Karosseriebauer des Sebring. Das Ergebnis ist typisch für die frühen 1960er. Die Karosserie besitzt noch die Eleganz der 1950er, zeigt aber bereits die klareren Linien, die das Automobildesign der kommenden Jahre bestimmen sollten. Besonders charakteristisch sind: die vier Frontscheinwerfer, die große verchromte Kühlermaske, die seitlichen Luftauslässe hinter den vorderen Radläufen, die niedrige Gürtellinie und die großzügige Verglasung. Optional waren die wunderbaren Borrani-Speichenräder erhältlich. Heute gehören gerade sie für viele zum perfekten Erscheinungsbild eines Sebring.

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Der Innenraum

Innen zeigt der Sebring wunderbar, wie sich italienische Hersteller Anfang der 1960er-Jahre Luxus vorstellten.

Große Rundinstrumente, zusätzliche Anzeigen, Holz, Leder, Chrom und ein dünnes klassisches Lenkrad schaffen eine Atmosphäre, die moderne Autos kaum reproduzieren können.

Dabei wirkt der Sebring weniger aristokratisch als ein Aston Martin.

Der Aston ist der englische Gentleman’s Club.

Der Maserati ist eher das elegante Hotel am Comer See.

Beide kosten Geld. Aber nur einer verlangt gedanklich nach einem Tweedjackett.

Sebring Serie I

Die heute besonders charakteristische Variante ist die Serie I.

Maserati gibt für den ersten Sebring folgende Eckdaten an:

Technische DatenMaserati Sebring 3.5 Serie I
ModellcodeTipo AM101/10
Bauart2-türige 2+2 Berlinetta
DesignerGiovanni Michelotti
KarosserieVignale
MotorReihensechszylinder
Hubraum3.485 cm³
Ventilsteuerung2 obenliegende Nockenwellen
GemischaufbereitungLucas-Einspritzung
Leistung235 PS
Höchstgeschwindigkeitca. 235 km/h
Radstand2.500 mm
Getriebe5-Gang manuell
AntriebHinterrad
SonderausstattungAutomatik, Klimaanlage, Borrani-Speichenräder

Bei den Produktionszahlen findet man je nach Quelle leichte Abweichungen. Maseratis eigene Heritage-Seite nennt für den frühen Sebring 351 Exemplare, andere Quellen führen 348 Fahrzeuge der ersten Serie.

Die schönsten Fotos vom Maserati 3500 GTI Sebring

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