Schanzenviertel Hamburg

Boutiquen, Restaurants und Insider-Tipps für einen perfekten Tag in der Schanze

Schanzenviertel Hamburg – Boutiquen, Restaurants und Insider-Tipps für einen perfekten Tag in der Schanze

Die Schanze: Hamburgs lässigstes Viertel für Shopping, Streetstyle und gutes Essen

Das Schanzenviertel, von Hamburgern meistens schlicht „die Schanze“ genannt, gehört zu jenen Stadtteilen, die man nicht wegen einer einzelnen Sehenswürdigkeit besucht. Man kommt wegen der Mischung.

Kleine Boutiquen stehen neben türkischen Restaurants, Concept Stores neben Altbauwohnungen, Cafés neben Bars und Vintage-Läden neben politischer Street Art. Mittelpunkt sind vor allem Schulterblatt, Schanzenstraße und Susannenstraße. Hamburg selbst beschreibt das Viertel als eine seiner alternativsten Shoppinggegenden mit hoher Dichte an individuellen und hippen Geschäften.

Genau darin liegt der Reiz: Die Schanze ist das Gegenprogramm zur klassischen Hamburger Innenstadt. Wer Louis Vuitton und internationale Luxuslabels sucht, fährt zum Neuen Wall. Wer dagegen ein Kleid, eine Jacke, Schmuck oder Wohnaccessoires entdecken möchte, die nicht bereits in jeder europäischen Einkaufsstraße hängen, ist hier wesentlich besser aufgehoben.

Vom Problemviertel zum Hotspot: Wie sich die Schanze in 30 Jahren verändert hat

 

Wer das Schanzenviertel Mitte der 1990er-Jahre kannte und heute über Schulterblatt, Susannenstraße und Schanzenstraße läuft, erlebt stellenweise zwei völlig verschiedene Welten.

Heute stehen vor den Altbauten Café-Tische, kleine Boutiquen verkaufen Designermode und Vintage, Restaurants sind am Wochenende ausgebucht und an warmen Abenden ist das Schulterblatt teilweise brechend voll. Hamburg beschreibt die Gegend heute selbst als junges und trendiges Viertel mit zahlreichen Cafés, Bars, Restaurants und kleinen Geschäften.

Die 1990er: billig, alternativ, dreckig und teilweise ziemlich rau

Das Viertel hatte schon seit den 1970er-Jahren einen Strukturwandel erlebt. Viele Familien waren weggezogen, das Gebiet war stark vom Verkehr belastet, Grünflächen waren knapp und die Wohnungen vergleichsweise günstig. Gerade deshalb kamen Studenten, Künstler und Menschen aus der alternativen Szene. Die Universität Hamburg beschreibt diese Entwicklung ausdrücklich als Grundlage für den zunehmend alternativen Charakter der Schanze.

Mitte der 1990er kam ein weiteres Problem hinzu: eine offene Drogenszene. Nach der Verdrängung der Drogenszene aus anderen Teilen Hamburgs verlagerte sie sich zunächst ins Schanzenviertel und später verstärkt rund um Schanzenpark und Rote Flora. Selbst die Chronik der Roten Flora dokumentiert diese Entwicklung für 1996 und 1997.

Das Schulterblatt war damals deshalb nicht das Viertel, in das Hamburger Familien am Samstag fuhren, um einen Flat White zu trinken und anschließend nach skandinavischen Wohnaccessoires zu suchen.

Es war billiger, politischer, alternativer und erheblich rauer.

Die Rote Flora wurde zum Symbol der alten Schanze

Ein entscheidendes Datum war bereits 1989.

Aus der alten Flora sollte ein Musicaltheater für das „Phantom der Oper“ entstehen. Dagegen formierte sich erheblicher Widerstand aus dem Viertel. Im November 1989 wurde das Gebäude besetzt und entwickelte sich zur Roten Flora, die bis heute ein Zentrum der autonomen Szene ist.

Damit entstand ein Symbol, das die Schanze bis heute prägt.

Das Interessante daran: Während sich praktisch alles um die Flora herum verändert hat, steht sie noch immer mitten am Schulterblatt.

Und genau dieser Kontrast macht die Gegend heute so eigenartig spannend.

Ende der 1990er: Plötzlich kamen Medien, Internet und Geld

Der entscheidende wirtschaftliche Wandel setzte in den späten 1990er-Jahren ein.

Während des Internetbooms zwischen etwa 1998 und 2001 siedelten sich zahlreiche Unternehmen der New Economy in sanierten ehemaligen Gewerbe- und Fabrikgebäuden an. Die Universität Hamburg nennt ausdrücklich Medienunternehmen, Softwarefirmen, Internetdienstleister und Musikverlage.

Schanzenviertel Hamburg – Boutiquen, Restaurants und Insider-Tipps für einen perfekten Tag in der Schanze
typischer Hauseingang in der Schanze
Schanzenviertel Hamburg – Boutiquen, Restaurants und Insider-Tipps für einen perfekten Tag in der Schanze

Kreativwirtschaft + Medien + Agenturen + Gastronomie + Studenten + besser verdienende junge Bewohner.

Und dann begann der Mechanismus, den man heute aus halb Europa kennt.

Ein Viertel ist billig → Künstler und Studenten ziehen hin → Cafés und Kultur entstehen → das Viertel wird interessant → besser Verdienende ziehen hin → Immobilien werden saniert → Mieten steigen → diejenigen, die das Viertel interessant gemacht haben, können es sich teilweise nicht mehr leisten.

Gentrifizierung in ihrer fast schon ermüdend zuverlässigen Reihenfolge.

Die 2000er: Die Schanze wird schick

Mit steigender Attraktivität wurden Altbauten saniert, Wohnungen aufgewertet und neue Gebäude errichtet. Gleichzeitig eröffneten immer mehr Cafés, Restaurants, Bars und Geschäfte.

Die Universität Hamburg beschreibt ausdrücklich, dass steigende Mieten zur Verdrängung einkommensschwächerer Bewohner und kleiner Geschäfte führten. Als Gegenbewegung entstanden unter anderem Baugenossenschaften und Initiativen zum Erhalt bezahlbaren Wohnraums.

Die Veränderung war damit nicht nur positiv.

Für Besucher wurde die Schanze attraktiver. Für manche langjährigen Bewohner wurde sie schlicht zu teuer.

2008 wurde Sternschanze sogar offiziell ein eigener Stadtteil

Interessantes Insiderwissen: Den heutigen Stadtteil Sternschanze gibt es administrativ erst seit 2008.

Zuvor verteilte sich das Gebiet auf verschiedene Stadtteile. Der Begriff „Schanzenviertel“ wurde zwar schon seit den 1980er-Jahren verwendet, aber erst 2008 entstand offiziell der Stadtteil Sternschanze.

Schanzenviertel Hamburg – Boutiquen, Restaurants und Insider-Tipps für einen perfekten Tag in der Schanze

Hat die Schanze dadurch ihren Charakter verloren?

Aber definitiv ein Besuch wert

Insider-Faktor: ⭐⭐⭐⭐⭐

Gerade diese Widersprüche machen die Schanze heute interessanter als ein künstlich geplantes Szeneviertel.

Man kann morgens Vintage auf dem Flohmarkt suchen, mittags in einer angesagten Boutique einkaufen, nachmittags Specialty Coffee trinken und wenige Meter weiter vor einem seit 1989 besetzten autonomen Kulturzentrum stehen.

Die Schanze wurde in rund 30 Jahren vom rauen, günstigen Alternativviertel zu einer der begehrtesten Ausgeh-, Shopping- und Wohngegenden Hamburgs.

Ganz zum „sauberen Hotspot“ ist sie glücklicherweise trotzdem nicht geworden. Ein bisschen Schmutz, Graffiti und Widerstand hat sie sich bewahrt. Sonst wäre das Schulterblatt inzwischen vermutlich nur noch eine weitere Einkaufsstraße mit denselben fünf Ketten, die Menschen offenbar auf jedem Kontinent dringend benötigen.

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Paare: ⭐⭐⭐⭐½

Paare profitieren besonders von der Nähe zu Palma, den Restaurants am Wasser und den langen Spazierwegen. Wer absolute Abgeschiedenheit oder ein exklusives Boutique-Ambiente sucht, findet passendere Orte. Wer Strand, Gastronomie und Stadt kombinieren möchte, bekommt hier dagegen ein sehr überzeugendes Gesamtpaket.

Singles und Alleinreisende: ⭐⭐⭐⭐½

Can Pastilla ist sicher, gut angebunden und belebt, ohne rund um die Uhr vollkommen chaotisch zu wirken. Alleinreisende können unkompliziert zwischen Strand, Sport, Restaurants und Palma wechseln. Wer Kontakte sucht, findet entlang der Playa de Palma zahlreiche Bars und Freizeitangebote. Wer Ruhe möchte, hält sich eher im Bereich Cala Estància und am kleinen Hafen auf.

Aktivurlauber und Radfahrer: ⭐⭐⭐⭐⭐

Die Küstenroute Richtung Es Molinar, Portixol und Palma gehört zu den angenehmsten Rad- und Spazierstrecken im Süden Mallorcas. Die Strecke ist weitgehend flach und bietet fast durchgehend Meerblick. Besonders am frühen Morgen nutzen viele Einheimische die Promenade zum Joggen, Radfahren oder für einen Spaziergang.

Einheimischer Tipp: Can Pastilla früh am Morgen erleben

Zwischen etwa 7:30 und 9:00 Uhr zeigt sich Can Pastilla von seiner angenehmsten Seite. Das Meer ist häufig ruhig, die Temperaturen sind noch mild und die Promenade gehört überwiegend Joggern, Radfahrern und Einheimischen. In den Cafés beginnt der Tag mit Café con leche, Tostada oder Ensaimada, während der größte Teil der Urlauber noch mit dem Frühstücksbuffet verhandelt.

Ein besonders schöner Morgenspaziergang beginnt am Hafen von Can Pastilla und führt um die Cala Estància herum in Richtung Cala Gamba und Ciudad Jardín. Wer mehr Zeit hat, kann auf der Promenade bis Es Molinar oder Portixol weitergehen. Die Strecke verbindet kleine Häfen, Stadtstrände, Cafés und offene Blicke über die Bucht von Palma.

Ranking Score: Schanzenviertel Hamburg

KategorieBewertung
Individuelle Boutiquen⭐⭐⭐⭐⭐
Vintage & Second Hand⭐⭐⭐⭐⭐
Streetstyle⭐⭐⭐⭐⭐
Restaurants⭐⭐⭐⭐⭐
Cafés⭐⭐⭐⭐⭐
Bars & Nightlife⭐⭐⭐⭐⭐
Atmosphäre⭐⭐⭐⭐⭐
Luxus-Shopping⭐⭐☆☆☆
Familienfreundlichkeit⭐⭐⭐⭐☆
Singles⭐⭐⭐⭐⭐
Schlechtwetter-Tauglichkeit⭐⭐⭐⭐☆
Preis-Leistung⭐⭐⭐⭐☆
Individualität⭐⭐⭐⭐⭐

 

Insider-Tipp: Samstag zur Flohschanze

Wer Vintage mag, sollte seinen Besuch möglichst auf einen Samstag legen.

Die Flohmarkt Flohschanze am Neuen Kamp findet samstags statt; aktuell werden 8:00 bis 16:00 Uhr angegeben. Time Out empfiehlt ihn ebenfalls für Vintage-Kleidung, Bücher, Antiquitäten und allerlei Fundstücke.

Beste Zeit: etwa 9:00 bis 11:00 Uhr.

Früh gibt es die größere Auswahl. Wer erst kurz vor Schluss kommt, kann dafür bessere Chancen beim Handeln haben. Die Menschheit hat schließlich noch kein Flohmarktmodell entwickelt, bei dem beste Auswahl und niedrigster Preis gleichzeitig auftreten.

Für klassisches Luxusshopping gibt es in Hamburg bessere Adressen. Für individuelle Mode, Vintage, kleine Labels und einen ganzen Tag aus Shopping, Essen und Leuten-Beobachten gehört die Schanze dagegen zu den besten Vierteln der Stadt.

Die schönsten Boutiquen und Shops im Schanzenviertel

Die eigentliche Shoppingrunde sollte man nicht auf das Schulterblatt beschränken. Besonders Susannenstraße, Schanzenstraße und die kleineren Seitenstraßen lohnen sich. Danach kann man Richtung Weidenallee oder Karoviertel weiterlaufen. Genau diese Achse empfiehlt auch Hamburg Tourismus.

Inlove attire Schanze ⭐⭐⭐⭐⭐

In der Schanzenstraße 79 liegt eine kleine Boutique, die sich für einen individuelleren Modebummel anbietet. Aktuell wird sie mit 4,8/5 bewertet.

PortalMallorca-Tipp: Nicht nur das Schulterblatt ablaufen. Die Schanzenstraße besitzt einige der interessanteren Modeadressen.

Mono Concept Store ⭐⭐⭐⭐½

Ein Concept Store in der Rosenhofstraße und damit etwas abseits des offensichtlichsten Touristenstroms. Gerade solche kleinen Abstecher machen einen Schanzentag interessanter.

Mojo Store ⭐⭐⭐⭐⭐

Der Store in der Kampstraße ist eine interessante Adresse für Mode und Streetwear und wird aktuell ausgesprochen gut bewertet.

Blutsgeschwister Hamburg – Schiffermann’s Friends ⭐⭐⭐⭐⭐

Direkt am Schulterblatt. Wer farbenfrohe, verspielte und deutlich weniger minimalistische Mode mag, sollte hier hineinschauen.

Baretta ⭐⭐⭐⭐½

Kleine Modeadresse in der Susannenstraße. Genau diese Art von Laden ist eigentlich der Grund, warum Shopping in der Schanze Spaß macht: hineingehen, schauen und nicht bereits vorher wissen, was auf drei Kleiderstangen wartet.

Episode ⭐⭐⭐⭐☆

Für Second Hand und Vintage lohnt sich Episode am Schulterblatt. Gerade wenn man nicht gezielt nach einem bestimmten Stück sucht, kann man hier durchaus länger hängen bleiben.

 

Der perfekte Schanzen-Style

Die Schanze verlangt keinen Dresscode. Im Gegenteil: Zu perfekt gestylt kann hier beinahe unpassender wirken als zu lässig.

Für Frauen: Straight oder Wide-Leg Jeans, schlichtes Shirt oder Top, Oversize-Blazer, Sneaker oder Boots, Crossbody-Bag und auffälliger Schmuck.

Im Sommer: lockeres Kleid, Leder- oder Jeansjacke für den Abend, flache Sandalen oder Sneaker.

Für Männer: Jeans oder Chino, gutes schlichtes Shirt, Overshirt, Sneaker und unkomplizierte Jacke.

Nicht ideal: das komplette Luxuslabel-Outfit samt riesigen Logos. Es ist nicht verboten, nur ungefähr so subtil wie mit einer Limousine auf einem Fahrradflohmarkt vorzufahren.

Wann ist die beste Zeit zum Shoppen?

Montag bis Freitag, 11:30–15:00 Uhr: ⭐⭐⭐⭐⭐
Meine beste Zeit. Die meisten Geschäfte sind geöffnet, gleichzeitig ist es noch vergleichsweise entspannt.

Freitag, 15:00–18:00 Uhr: ⭐⭐⭐⭐☆
Lebendiger und perfekt, wenn anschließend Essen und Bars geplant sind.

Samstag, 10:00–14:00 Uhr: ⭐⭐⭐⭐⭐
Die beste Kombination aus Flohmarkt und Boutiquen.

Samstag ab 15:00 Uhr: ⭐⭐⭐☆☆
Atmosphärisch schön, aber deutlich voller.

Sonntag: ⭐⭐☆☆☆
Für Shopping ungeeignet, weil der reguläre Einzelhandel geschlossen ist. Für Cafés, Essen und einen Spaziergang dagegen gut.

Viele typische Modegeschäfte im Viertel öffnen gegen 11:00 Uhr und schließen zwischen etwa 19:00 und 20:00 Uhr.

Restaurant-Tipps im Schanzenviertel

Die Restaurantdichte ist enorm. Ein aktueller Hamburger Gastro-Guide zählt allein elf besonders empfehlenswerte Restaurants rund ums Schulterblatt auf.

Bullerei ⭐⭐⭐⭐⭐

Die bekannte Adresse in der Lagerstraße ist die gehobenere Variante für einen Schanzentag. Ideal für ein richtiges Abendessen statt eines schnellen Snacks.

Geeignet für: Paare, Freunde, Business-Lunch, besonderer Abend.

LOKMAM KÖZ ⭐⭐⭐⭐⭐

Türkische Küche in der Susannenstraße mit sehr hoher aktueller Bewertung und enorm vielen Rezensionen.

Geeignet für: unkompliziertes Mittag- oder Abendessen, Familien und Gruppen.

Asia Unique ⭐⭐⭐⭐⭐

Ebenfalls in der Susannenstraße und aktuell außerordentlich gut bewertet. Eine gute Alternative, wenn es asiatisch statt türkisch oder deutsch sein soll.

Tapas y Más ⭐⭐⭐⭐½

Spanische Küche in der Schanzenstraße. Besonders nett, wenn man nach dem Shopping nicht sofort ein großes Dinner möchte, sondern lieber mehrere Kleinigkeiten teilt.

Erika’s Eck ⭐⭐⭐⭐⭐

Eine Hamburger Institution in der Sternstraße. Kein Designrestaurant und gerade deshalb interessant. Time Out beschreibt es als Nachtschwärmer-Klassiker mit großen Schnitzelportionen.

Insider-Tipp: Hierhin geht man nicht, weil die Einrichtung gerade auf Instagram trendet. Man geht hin, weil der Laden ein Stück Schanzen-Geschichte ist.

💡 Mein persönlicher Tipp

Nicht nur Schulterblatt

Der häufigste Fehler bei einem ersten Besuch ist, vom Bahnhof Sternschanze zum Schulterblatt zu laufen, dort 500 Meter auf und ab zu gehen und anschließend zu behaupten, man kenne die Schanze.

Die interessantere Runde führt durch:

Schanzenstraße → Susannenstraße → Schulterblatt → Bartelsstraße → Rosenhofstraße → Kampstraße → Neuer Kamp.

Hamburg Tourismus empfiehlt ausdrücklich auch die kleineren Straßen und weist darauf hin, dass sich die Shoppingrunde anschließend über die Weidenallee verlängern lässt.

Die eindrucksvollsten Bilder von der Schanze

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