
Der Hamburger Fernsehturm, offiziell Heinrich-Hertz-Turm, gehört seit Ende der 1960er-Jahre fest zur Skyline der Stadt. Mit rund 280 Metern Höhe ist er das höchste Bauwerk Hamburgs und schon von weitem sichtbar. Für viele Hamburger ist er einfach der „Tele-Michel“. Benannt wurde er nach dem Hamburger Physiker Heinrich Hertz, dessen Forschungen zu elektromagnetischen Wellen grundlegende Bedeutung für Funk und Telekommunikation hatten.
Das Merkwürdige: Seit mehr als zwei Jahrzehnten kann man das vielleicht auffälligste Aussichtsbauwerk der Stadt nur von unten betrachten. Seit dem 1. Januar 2001 ist der Besucherbereich geschlossen. Nun gibt es allerdings konkretere Pläne als je zuvor, den Turm wieder öffentlich zugänglich zu machen. Nach aktuellem Stand soll die Wiedereröffnung in der zweiten Jahreshälfte 2031 erfolgen.
Der Heinrich-Hertz-Turm wurde nach Plänen des Architekten Fritz Trautwein in den 1960er-Jahren errichtet. Die Stadt Hamburg nennt als Bauzeit 1966 bis 1968. Der Turm sollte in erster Linie der Übertragung von Rundfunk-, Fernseh- und Telekommunikationssignalen dienen, erhielt aber gleichzeitig öffentlich zugängliche Besucherbereiche.
Damit wurde aus einem technischen Bauwerk schnell eine echte Hamburger Sehenswürdigkeit.
Von den hoch gelegenen Plattformen öffnete sich der Blick weit über:
Bei guter Sicht konnte man weit über die Stadtgrenzen hinausblicken.
Besonders beliebt war die Gastronomie im Turm. Der Besucherbereich befand sich in den oberen Geschossen der Turmkanzel, ungefähr 125 bis 130 Meter über dem Boden. Historisch gab es dort auch einen drehbaren Bereich, sodass Besucher während des Aufenthalts unterschiedliche Perspektiven auf Hamburg erleben konnten.
Für Generationen von Hamburgern gehörte ein Besuch des Fernsehturms deshalb zu den klassischen Ausflügen der Stadt.
Am 1. Januar 2001 endete der öffentliche Betrieb. Hintergrund waren unter anderem wirtschaftliche und bauliche Probleme sowie notwendige Sanierungsmaßnahmen; in der Berichterstattung wird auch eine frühere Asbestbelastung genannt.
Seitdem blieb der Fernsehturm zwar technisch in Betrieb, aber Besucher mussten draußen bleiben.
Das führte zu einer seltsamen Situation: Hamburg besaß mitten in der Stadt einen der höchsten Aussichtstürme Deutschlands, konnte ihn touristisch aber mehr als 20 Jahre lang nicht nutzen.
Das Drehrestaurant im Hamburger Fernsehturm (Tele-Michel) drehte sich tatsächlich einmal pro Stunde vollständig um 360°. Das bestätigt sowohl die Stadt Hamburg als auch eine historische Dokumentation zum Turmbau.
Das bedeutet:
Die Drehplattform befand sich beim Restaurant in etwa 127–130 Metern Höhe. Der äußere Bereich mit den Sitzplätzen bewegte sich so langsam, dass man die Drehung beim Essen kaum wahrnahm. Man bemerkte sie vor allem daran, dass plötzlich nicht mehr Alster und Innenstadt, sondern Hafen, St. Pauli oder Schanze vor dem Fenster lagen. Der NDR bestätigt ebenfalls die eine Umdrehung pro Stunde.
Interessantes Detail: Die historische Konstruktion hatte auf dem drehenden Außenring ursprünglich 240 Sitzplätze und es gab Kuchen satt zum Einheitspreis
Zur Eröffnung 1968 ausdrücklich mit „Kuchen und Kaffee satt“. Zur Eröffnung kostete die Erdbeertorte 1 DM, der Kaffee 95 Pfennig
Später gab es das bekannte Pauschalangebot:
Kaffee und Kuchen satt für 5 DM
Die ZEIT erinnert sich genau an dieses 5-Mark-Angebot im sich drehenden Restaurant. Auch Zeitzeugenberichte nennen ausdrücklich „Kaffee und Kuchen satt für 5 Mark“.
Seit 2013 steht der Heinrich-Hertz-Turm unter Denkmalschutz. Begründet wird dies unter anderem mit seiner baugeschichtlichen, kulturellen und städtebaulichen Bedeutung für Hamburg.
Das ist bei den geplanten Umbauten wichtig, denn das Gebäude kann nicht einfach nach heutigen Vorstellungen komplett verändert werden. Moderne Brandschutz- und Sicherheitsanforderungen müssen mit der historischen Konstruktion vereinbart werden.
Pläne zur Wiedereröffnung gibt es schon seit Jahren.
Zwischendurch war sogar eine Öffnung in den frühen 2020er-Jahren im Gespräch. Daraus wurde nichts. Steigende Baukosten, neue Planungen, Brandschutzanforderungen und komplexe Genehmigungsverfahren verzögerten das Projekt immer wieder.
Das sorgte verständlicherweise für Skepsis. Bei kaum einem Hamburger Bauprojekt lagen zwischen „bald geht es los“ und tatsächlichem Baubeginn derart viele Jahre. Hamburg kann Flughäfen zwar anderen Städten überlassen, findet aber offenbar auch ohne Flughafen Wege, Bauzeiten kreativ auszudehnen.
Ende 2025 wurde das Projekt erheblich konkreter.
Der Hamburger Senat beschloss, die notwendigen finanziellen Voraussetzungen für die Wiedereröffnung zu schaffen. Die aktuellen Planungen gehen von Gesamtbaukosten von rund 39,69 Millionen Euro aus.
Der Bund hatte bereits zuvor eine Beteiligung von bis zu 18,56 Millionen Euro zugesagt. Hamburg soll sich mit bis zu 21,13 Millionen Euro beteiligen. Mögliche weitere Mehrkosten und die laufenden Betriebskosten sollen laut Senatsangaben von der Deutschen Funkturm GmbH übernommen werden.
Nach dem derzeitigen Zeitplan könnte die eigentliche Sanierung 2028 beginnen.
Die Arbeiten sollen ungefähr drei Jahre dauern.
Die derzeit geplante Wiedereröffnung liegt deshalb in der zweiten Jahreshälfte 2031.
Das bedeutet allerdings auch: Bis dahin bleibt der Turm für Besucher weiterhin geschlossen.
Der interessanteste Punkt ist natürlich die zukünftige Nutzung.
Geplant sind zwei zentrale öffentliche Bereiche.
Im 14. Geschoss soll wieder eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform entstehen. Sie liegt ungefähr 125 Meter über der Stadt.
Nach den derzeitigen Vorstellungen soll diese Aussichtsplattform täglich zugänglich sein.
Damit bekäme Hamburg wieder eine echte Hochhausperspektive auf die Stadt, die es in dieser Form derzeit kaum gibt.
Das darunterliegende 13. Geschoss soll als Veranstaltungs- beziehungsweise Eventfläche genutzt werden.
Denkbar sind dort beispielsweise:
Der genaue spätere Betrieb wird von den Betreibern ausgestaltet.
Wer darauf gehofft hat, dass das historische Drehrestaurant exakt in alter Form zurückkehrt, wird allerdings enttäuscht.
Nach dem aktuellen Konzept ist kein klassisches Drehrestaurant mehr vorgesehen. Der bisher drehbare Ring soll im Zuge des Umbaus nicht wieder als rotierende Restaurantfläche betrieben werden.
Damit wird der Fernsehturm zwar wieder öffentlich, aber nicht vollständig zu dem Ort zurückkehren, den ältere Hamburger aus ihrer Kindheit kennen.
Zusätzlich ist ein neues Eingangsgebäude am Fuß des Turms vorgesehen. Es soll unter anderem moderne Besucherführung und Zugangskontrollen ermöglichen.
Das ist notwendig, weil ein heutiger Besucherbetrieb andere Anforderungen an:
stellt als Ende der 1960er-Jahre.
Die Kapazität wird aus Sicherheits- und Brandschutzgründen begrenzt sein.
Aktuelle Planungen nennen für die öffentlich genutzten Bereiche zusammen maximal ungefähr 440 Personen.
Das bedeutet wahrscheinlich, dass später mit festen Zeitfenstern beziehungsweise kontrollierten Besucherzahlen gearbeitet werden muss.
Für den touristischen Betrieb wurde bereits ein Betreiberverbund ausgewählt. Dazu gehören unter anderem Akteure aus der Hamburger Veranstaltungs- und Messebranche. Die Deutsche Funkturm hatte den Betreiberverbund bereits früher vorgestellt.
Geplant ist eine Kombination aus:
Aussicht + Gastronomie + Veranstaltungen.
Damit soll der Turm wirtschaftlich breiter aufgestellt werden als früher.
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Wahrzeichen-Faktor | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Architektur | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Aussichtspotenzial | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Historische Bedeutung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Fotomotiv | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Lage | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Touristische Bedeutung heute | ⭐⭐☆☆ |
| Potenzial nach Wiedereröffnung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Familien | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Paare | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Singles | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
Aktuell verliert der Turm natürlich Punkte, weil Besucher schlicht nicht hinein können. Nach einer erfolgreichen Wiedereröffnung könnte er aber wieder zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Hamburgs werden.
Solange der Turm geschlossen bleibt, ist er zumindest ein hervorragendes Fotomotiv.
Besonders gute Perspektiven gibt es:
Planten un Blomen: Der Fernsehturm erscheint über den Bäumen und bildet einen schönen Kontrast zum Park.
Schanzenviertel: Zwischen Altbauten und Straßen entsteht der typische urbane Hamburg-Blick auf den Tele-Michel.
Messegelände: Hier erlebt man die Dimension des Turms aus unmittelbarer Nähe.
Außenalster: Aus größerer Entfernung wird deutlich, wie stark der Fernsehturm die Hamburger Skyline prägt.
Hamburg besitzt zahlreiche Aussichtspunkte, aber kaum einen, der einen echten 360-Grad-Blick aus mehr als 120 Metern Höhe mitten aus der Stadt bietet.
Die Elbphilharmonie besitzt ihre Plaza, der Michel seinen Turm und mehrere Hotels bieten Rooftop-Bars. Doch alle zeigen jeweils nur einen Teil der Stadt.
Der Fernsehturm steht dagegen nahezu ideal zwischen:
Von dort oben lässt sich Hamburg als Ganzes verstehen.
Der Heinrich-Hertz-Turm erzählt auch etwas über Hamburg selbst.
In den 1960er-Jahren stand er für technischen Fortschritt und eine Stadt, die nach oben wollte. Ab 2001 wurde er unfreiwillig zum Symbol dafür, wie schwierig es sein kann, ein historisches Großbauwerk wirtschaftlich und technisch in die Gegenwart zu übertragen.
Wenn der Hamburger Fernsehturm 2031 tatsächlich wieder öffnet, wären seit seiner Schließung ziemlich genau 30 Jahre vergangen.
Dann könnte aus dem jahrzehntelang geschlossenen Wahrzeichen wieder einer der spannendsten Orte der Stadt werden: tagsüber Aussicht über Hamburg, abends Veranstaltungen hoch über den Dächern und endlich wieder Menschen in einer Turmkanzel, die seit einer ganzen Generation leer steht.
Für PortalHamburg würde ich den Beitrag deshalb nicht nur unter „Sehenswürdigkeiten“, sondern zusätzlich unter „Hamburg im Wandel“ verlinken. Zusammen mit dem Schanzenviertel ergibt sich daraus eine schöne Reihe über Orte, die sich in den vergangenen Jahrzehnten fundamental verändert haben.