
Wer Hamburg verstehen möchte, sollte nicht nur Hafen, Elbphilharmonie und Speicherstadt besuchen. Man sollte sich einmal mitten auf den Rathausmarkt stellen, den Blick nach oben richten und sich fragen, warum eine traditionell eher kaufmännisch-nüchterne Stadt sich ausgerechnet hier einen derart monumentalen Regierungssitz gegönnt hat.
Das Hamburger Rathaus ist nicht einfach ein Fotostopp. Zusammen mit Rathausmarkt, Alsterarkaden, Alter Wall, Neuer Wall, Börse und Binnenalster bildet es einen der schönsten Stadträume Hamburgs. Und dieser Teil der Innenstadt befindet sich weiterhin im Wandel: weniger reine Verkehrs- und Einkaufsfläche, mehr Grün, Fußgänger, Gastronomie und Aufenthaltsqualität.
Das alte Hamburger Rathaus stand seit etwa 1290 an der Trostbrücke. Beim Großen Brand von 1842 wurde es sogar gesprengt, in der Hoffnung, damit die Flammen aufzuhalten. Genützt hat es wenig. Hamburg verlor sein politisches Zentrum und brauchte anschließend erstaunliche 55 Jahre, um ein neues Rathaus zu bekommen. Fast 200 Entwürfe wurden in zwei Architekturwettbewerben eingereicht. Schließlich setzte sich die Initiative des Architekten Martin Haller durch, der gemeinsam mit sechs weiteren Hamburger Architekten den Rathausbaumeisterbund gründete. Der Grundstein wurde 1886 gelegt, die feierliche Eröffnung fand am 26. Oktober 1897 statt.
Heute sitzen hier weiterhin Senat und Hamburgische Bürgerschaft. Das ist wichtig für Besucher: Das Rathaus ist kein Museum, sondern ein arbeitendes politisches Gebäude. Deshalb können Führungen wegen Sitzungen, Staatsbesuchen oder Veranstaltungen auch kurzfristig ausfallen.
Nach dem Brand von 1842 entstand auch der Rathausmarkt neu. Das städtebauliche Vorbild war ausgerechnet der Markusplatz in Venedig: Wie dort sollte sich der Platz auf einer Seite zum Wasser öffnen.
Und tatsächlich funktioniert dieses Prinzip noch heute hervorragend. Vom Rathausmarkt gelangt man über die Alsterarkaden fast unmittelbar ans Wasser und weiter zum Jungfernstieg und zur Binnenalster.
Ein weniger romantisches Kapitel gehört ebenfalls zur Geschichte: 1933 wurde der Platz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Seit 1945 trägt er wieder seinen historischen Namen. In den 1980er-Jahren wurde der zuvor stark vom Verkehr dominierte Rathausmarkt umfassend neu gestaltet und wieder stärker zum öffentlichen Stadtplatz.
Wer unmittelbar vor der Fassade steht, bekommt zwar viel Rathaus, aber wenig Hamburg.
Schöner ist es, sich weiter über den Rathausmarkt zurückzuziehen und Menschen und Platz mit ins Bild zu nehmen.
Noch interessanter wird es am Abend beziehungsweise in der blauen Stunde. Das beleuchtete Rathaus vor dem dunkler werdenden Himmel gehört zu den schönsten urbanen Ansichten der Innenstadt. Auch die Stadt selbst empfiehlt den nächtlichen Blick auf das angestrahlte Rathaus.
Hier wird es städtebaulich interessant.
Der Rathausmarkt selbst sollte meiner Meinung nach nicht mit zusätzlichen festen Bauten zugestellt werden. Seine Stärke ist gerade seine Großzügigkeit. Hamburg braucht diesen freien Raum für Weihnachtsmarkt, Veranstaltungen, Demonstrationen, Kultur und schlicht für das Gefühl eines echten Stadtplatzes.
Die Entwicklung sollte vielmehr an seinen Rändern stattfinden.
Genau in diese Richtung geht die aktuelle Umgestaltung des Alten Wall Ost. Der Bereich zwischen Rathausmarkt und Adolphsplatz erhält eine einheitlichere Pflasterung, neue Sitzgelegenheiten, fünf zusätzliche Stadtbäume, historische Leuchten und 32 Fahrradbügel. Die Fußgängerzone bleibt erhalten.
Die Rathausfassade: Nicht einfach davorstellen, Selfie, weiter. Näher herangehen. Figuren, Ornamente und Details machen die monumentale Fassade erst interessant.
Der Innenhof: Einer der unterschätzten Orte des Ensembles. Wer nur die Frontseite sieht, verpasst einen erheblichen Teil der Architektur.
Die Rathausdiele: Bereits der öffentlich zugängliche Eingangsbereich vermittelt einen Eindruck davon, dass Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts keineswegs architektonische Bescheidenheit üben wollte.
Rathausführung: Für Architektur- und Hamburg-Interessierte lohnt sie sich besonders. Aktuell kosten Führungen 8 Euro für Erwachsene und Jugendliche, mit HamburgCARD 6 Euro; Kinder bis einschließlich 14 Jahre nehmen kostenlos teil. Deutsch- und englischsprachige Führungen werden angeboten, allerdings abhängig vom politischen Betrieb.
Rathausmarkt: Nicht nur überqueren. Der Platz funktioniert besonders gut, wenn man ihn einmal aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
Alsterarkaden: Danach unbedingt Richtung Wasser gehen.
Binnenalster und Jungfernstieg: Vom Rathaus sind es nur wenige Minuten.
Alter Wall: Einer meiner bevorzugten kleinen Umwege. Hier erlebt man den Übergang vom historischen Rathausensemble zum modernen Hamburger Luxus- und Geschäftsviertel.
Wer lieber sitzen und länger auf die Elbe schauen möchte, kann die Hafenwirtschaft Hamburg wählen.
Ebenfalls unmittelbar an den Landungsbrücken liegt Watergate Café Bar Restaurant.
Hier ist der Standort mindestens so wichtig wie das Essen.
Und das ist an dieser Stelle vollkommen legitim.
Man sitzt schließlich nicht hier, um eine philosophische Auseinandersetzung mit norddeutscher Nouvelle Cuisine zu führen.
Man sitzt hier wegen der Schiffe.
Geht vom Hafen ein kleines Stück Richtung Portugiesenviertel.
Die Ditmar-Koel-Straße gehört gastronomisch zu den interessantesten Straßen rund um die Landungsbrücken.
Für portugiesische Küche gefällt uns Olá Lisboa.
Eine weitere sehr gut bewertete Adresse ist Beira Rio.
Wer lieber italienisch essen möchte, findet mit Luigi’s einen extrem populären Klassiker.
Portal Hamburg Restaurant-Tipp für das Viertel: Portugiesenviertel 9,5/10.
Die Landungsbrücken sind keine Shoppingmeile.
Und das ist gut so.
Zwischen Fischbrötchenständen und Hafenrundfahrten gibt es natürlich Souvenirs. Wer allerdings anspruchsvollere Hamburger Produkte, Design und Mode sucht, sollte einige Minuten weiterlaufen.
Eine schöne Adresse ist The Art of Hamburg – PAPER BOATS GmbH in der Ditmar-Koel-Straße.
Hier findet man Hamburg-inspirierte Produkte jenseits des üblichen touristischen „Moin“-Universums.
Mein Portal-Hamburg-Tipp:
Rathausmarkt → Rathausinnenhof → Alter Wall → Alsterarkaden → Mellinpassage → Neuer Wall → Jungfernstieg → Binnenalster
Die Mellinpassage am Neuen Wall ist dabei ein wunderbarer kleiner Zwischenstopp.
Wer Shopping mag, kann anschließend über den Neuen Wall weiterziehen. Die Straße vereint internationale Luxusmarken, Schmuck, Mode und kleinere Adressen.
Für Hamburg-Klassik statt Touristenmenü würde ich Daniel Wischer am Rathaus wählen. Die Institution serviert seit Generationen Fisch und Hamburger Spezialitäten; der Standort am Rathaus ist weiterhin geöffnet.
Für Frühstück, Kaffee, Lunch oder einen langen Nachmittag passt Café Paris in der Rathausstraße. Das ist gerade wegen seiner Atmosphäre eine schöne Ergänzung zum Rathausbesuch.
Abends ist Restaurante Picasso eine gute Adresse für spanische Küche und einen etwas längeren Abend.
Vegetarisch und vegan funktioniert Greentable Vegan Restaurant Rathaus sehr gut.
Und wer wirklich unmittelbar am Platz sitzen möchte, findet mit Bouillon eine unkomplizierte Möglichkeit direkt am Rathausmarkt.
Vom Rathaus würde ich nicht automatisch Richtung Mönckebergstraße gehen.
Die schönere Route ist:
Rathaus → Alsterarkaden → Neuer Wall → Jungfernstieg → Große Bleichen → Hohe Bleichen → Hanseviertel.
Für Architekturfreunde lohnt die bereits erwähnte Mellinpassage. Das Hanseviertel ist ebenfalls sehenswert und funktioniert auch bei typisch Hamburger Horizontalregen, einer meteorologischen Spezialität, bei der ein Regenschirm mehr dekorative als praktische Bedeutung besitzt.
Für Hamburg-Klassik statt Touristenmenü würde ich Daniel Wischer am Rathaus wählen. Die Institution serviert seit Generationen Fisch und Hamburger Spezialitäten; der Standort am Rathaus ist weiterhin geöffnet.
Für Frühstück, Kaffee, Lunch oder einen langen Nachmittag passt Café Paris in der Rathausstraße. Das ist gerade wegen seiner Atmosphäre eine schöne Ergänzung zum Rathausbesuch.
Abends ist Restaurante Picasso eine gute Adresse für spanische Küche und einen etwas längeren Abend.
Vegetarisch und vegan funktioniert Greentable Vegan Restaurant Rathaus sehr gut.
Und wer wirklich unmittelbar am Platz sitzen möchte, findet mit Bouillon eine unkomplizierte Möglichkeit direkt am Rathausmarkt.
| Kategorie | Score |
|---|---|
| Architektur | 10/10 |
| Geschichte | 10/10 |
| Atmosphäre | 9/10 |
| Fotomotive | 10/10 |
| Gastronomie | 8/10 |
| Shopping | 9/10 |
| Familien | 9/10 |
| Erreichbarkeit | 10/10 |
| Preis-Leistung | 10/10 |
| Hamburg-Faktor | 10/10 |
Das Hamburger Rathaus ist eine der Sehenswürdigkeiten, die man beim ersten Hamburg-Besuch sehen muss, die aber auch für Einheimische interessant bleibt. Gerade die Verbindung aus monumentaler Architektur, politischem Alltag, Rathausmarkt, Alster, Alter Wall und Neuer Wall macht den Ort außergewöhnlich.
Beste Uhrzeit: etwa 9:30 bis 11:30 Uhr.
Dann lässt sich der Rathausbesuch wunderbar mit Innenstadt und Alster kombinieren.
Für Fotografen empfehle ich zusätzlich die blaue Stunde am Abend.
Beste Jahreszeit: Mai, Juni und September für einen ausgedehnten Innenstadtspaziergang.
Der Dezember ist dagegen eine völlig andere Kategorie: Dann verwandelt der Weihnachtsmarkt den Rathausmarkt in eine große Weihnachtskulisse. Atmosphärisch stark, ruhig natürlich überhaupt nicht.
09:30 Uhr → Rathausmarkt
Erste Runde über den Platz. Rathaus von weitem fotografieren.
10:00 Uhr → Rathaus
Innenbereich und, sofern an diesem Tag angeboten, Führung. Die Termine sollte man vorher prüfen, da der politische Betrieb Vorrang hat.
11:00 Uhr → Innenhof & Börsenumfeld
Architektur ansehen und anschließend Richtung Alter Wall gehen.
11:30 Uhr → Alter Wall
Neue Gestaltung ansehen, weiter Richtung Alsterarkaden.
12:00 Uhr → Alsterarkaden & Mellinpassage
Kleine Architektur- und Shoppingrunde.
12:30 Uhr → Mittagessen
Für den klassischen Hamburg-Moment: Daniel Wischer.
Für urban-französische Atmosphäre: Café Paris.
14:00 Uhr → Neuer Wall
Shopping und Schaufensterbummel.
15:30 Uhr → Jungfernstieg
Kaffee, Binnenalster und einmal bewusst nichts tun. In einem deutschen Tagesplan ist das beinahe revolutionär.
16:30 Uhr → Binnenalster
Spaziergang am Wasser.
18:00 Uhr → zurück zum Rathaus
Jetzt verändert das tiefere Licht die Fassaden komplett.
Abends → Dinner
Picasso oder eines der Restaurants Richtung Altstadt/Nikolaiquartier.